In der Welt des Wassers

Die Fahrt mit dem Nachtbus in das kleine Örtchen Puerto Iguazu dauerte für uns knappe 20h und wir zahlten ein kleines Vermögen dafür. Aber man merkte auch den Unterschied zu unseren bisherigen Busreisen, und zwar deutlich: die Klimaanlage und die Heizung funktionierten einwandfrei, der Fußboden war nicht mit Orangenschalen und Plastikmüll übersät sondern lupenrein sauber, genauso wie die Klos, unsere superbreiten Sitze ließen sich problemlos schön weit nach hinten lehnen und zum Abendessen gab es eine Vorspeisenplatte und als Hauptgericht Nudeln mit Tomatensoße und einem Stück Hähnchen. Wer denkt, wir hätten uns hier für das teuerste vom teuren entschieden, dem sei gesagt, dass Busfahrten generell in Argentinien einfach unschlagbar sind und dadurch, dass die Argentinier im Gegensatz zu ihren nördlicheren Nachbarn auch wissen, dass man zum Schlafen Ruhe braucht ist der gesamte Bus nachts totenstill und man kann fröhlich vor sich hinschlummern.

Die 20 Stunden vergingen also schneller als erwartet und schon standen wir in dem kleinen Puerto Iguazu direkt am 3-Länder-Eck Argentinien, Brasilien, Paraguay. Wir fanden recht schnell eine niedliche Familien-Pension wo wir uns für die nächsten 3 Nächte einquartierten. Für diesen angebrochenen Tag hätte es sich allerdings nicht gelohnt Eintritt in den Nationalpark zu zahlen und so widmeten wir uns der etwas kleineren Attraktion, den Obelisken. Dank der Stadtkarte, die wir uns schnell im Touristenbüro abholten, fanden wir schnell den Weg zu den „Tres Fronteras“, den 3 Grenzen. Die Länder werden von 2 Flüssen voneinander getrennt, dem Iguazu und dem Parana, und dort, wo die Flüsse aufeinandertreffen hat jedes Land einen kleinen Obelisken,gestrichen in den Nationalfarben, aufgestellt, der von den beiden anderen Ländern gesehen werden kann. Wir setzten uns ein wenig hin, aßen unsere Oliven, die wir den Hügel hinaufgeschleppt hatten und beobachteten das Treiben. Dabei ließen wir uns auch nicht von den kleinen, süßen, bettelnden Kindern stören. Wir sind inzwischen einfach zu abgehärtet :(

Auf dem Weg zurück entdeckten wir einen kleinen Hamburgerstand und da in dem Touristendorf alle Restaurants recht teuer sind erkoren wir den Hamburger zu unserem Abendessen. Am Stand kamen wir mit einer kleinen Familie aus Cordoba ins Gespräch, die ganz begeistert unsere Art zu reisen bewunderten und uns viele Tipps für die Region Cordoba gaben. Nach einem netten, kleinen Gespräch trennten wir uns wieder und gingen jeder seiner Wege. Für uns hieß das direkt zurück zum Hostel und schnurstracks ins Bett, denn die Nachtfahrt forderte so langsam ihren Tribut und schließlich wollten wir am nächsten Tag ja fit für unser Abenteuer sein.

Auf zu den Iguazu-Fällen – auf nach Brasilien!

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker so gegen 9, wir machten uns ferig und frühstückten schnell das kostenlose Medialuna – die argentinische Version von Croissants – und ein Brot mit Dulce de Leche (dem argentinischen Nationalfrühstück, eine Art karamellcreme nur noch viiieeel süßer! für europäische Mägen zum Frühstück nur bedingt geeignet) und machten uns bewaffnet mit Sonnenbrille, Regenjacke und einer Flasche Wasser auf den Weg. Vom Busbahnhof brachte uns ein Bus zuerst zur argentinischen und dann zur brasilianischen Grenze, denn unser Plan beinhaltete unter anderem, für einen Tag nach Brasilien einzureisen. Da das viele Touristen so machen war die Einreise auch gar kein Problem – theoretisch lassen die Brasilianer einen auch ohne Einreisestempel rein aber wir wollten dann doch auf Nummer sicher gehen. Außerdem sieht so ein brasilianischer Stempel im Reisepass doch auch ganz hübsch aus.

Nach einer Stunde setzte uns der nette Busfahrer direkt vor den Toren des Nationalparks ab, wir zogen schnell ein paar brasilianische Real aus dem Geldautomaten um den Eintritt zu bezahlen und stürzten uns ins Vergnügen. Vom Eingang fährt man mit einem Doppeldeckerbus etwa 15 Minuten durch den Nationalpark und macht an verschiedenen Stationen Halt, von denen die Touristen, die das wünschen, für viel Geld verschiedene Aktionen wie Raften oder Abseilen buchen können. Wir fuhren, wie die meisten, bis zur vorletzten Station des Busses wo der Rundweg beginnt. Ab hier ist es schwer, zu beschreiben, was wir gesehen haben, denn es war einfach unglaublich! Mit jeder Aussichtsplattform sahen wir ein wenig mehr von den gigantischen Wasserfällen und gerade, wenn wir dachten, jetzt können sie nicht noch breiter werden, wurden sie es.

Von der brasilianischen Seite der Iguazu-Wasserfälle bekommt man einen fantastischen Eindruck von der Gesamtheit und der Größe der Wasserfälle. Außerdem gibt es natürlich hunderte von Möglichkeiten um die schönsten Panoramafotos zu schießen, die auch wir uns nicht entgehen ließen. Begleitet wurden wir auf unserem Weg nicht nur von geschätzten 5000 Touristen sondern auch von den kleinen Quatis. Niedliche Tiere auf 4 Beinen mit einem Ameisenbär-ähnlichen Rüssel, die aber ganz schön aggressiv werden können, wenn es um Futter geht. Deswegen wird an jeder Ecke strengstens davor gewarnt, die Quatis zu füttern. Nun ja, wir hätten eh nichts dabei gehabt.

Wir verbrachten den halben Tag damit den Aussichtsrundweg entlangzuschlendern, die Aussicht zu genießen und uns darüber zu wundern, wie weit die Gischt der brausenden Wasserfälle zu spüren ist, denn gegen Ende des Weges mussten wir so langsam unsere Regenjacken auspacken. Richtig notwendig wurden diese dann, als wir uns der Gargante del Diablo, dem Teufelsschlund, näherten. Der Teufelsschlund ist eine Stelle der Wasserfälle, in der das Wasser fast kreisrund nach unten fällt. Nur an einer Seite ist der Kreis nichts geschlossen. Da wir von der brasilianischen Seite kamen, konnten wir uns dem Schlund nur von unten nähern, wo eine solide Brücke über den Fluss gebaut ist. Man sieht nicht viel mehr als Wasser, Unmengen von Wasser überall aber man spürt die Kraft mit der das Wasser hinunterdonnert und man wird vor allem schön nass. Nach nur 3 Minuten waren unsere dicken Hosen komplett durchnässt und wir waren dementsprechend froh über unsere Regenjacken. Der durch die herabstürzenden Wassermassen entstehende Wind treibt die kleinen, feinen Wassertröpfchen echt in jede Ritze der Kleidung.

Nachdem wir uns der Macht der Wasserfälle für ein paar Minuten ausgesetzt hatten überfiel uns eine ganz andere Macht: Hunger. Praktischerweise gab es im Nationalpark einen Fast-Food-Counter mit annehmbaren Preisen und so gönnten wir uns zusammen mit unseren 3 neuen, französischen Gefährten einen Quati-Burger samt Pommes und Cola. Gut gestärkt fuhren wir daraufhin mit dem Bus zurück zum Eingang und warteten dort auf den Bus, der uns zurück nach Argentinien bringen sollte. Auch diese Fahrt mit Grenzübergang stellte sich als mehr oder weniger problemlos dar. Das einzige Hindernis zeigte sich beim Einreisen nach Argentinien wo ein junger Grenzbeamte zu viel Gefallen an Lara fand und sie mit Sprüchen wie „Du lächelst auf deinem Passphoto nicht – so kann ich dich nicht durchlassen!“ 5 Minuten lang aufhielt. Aber auch diese Hürde nahmen wir problemlos und machten uns danach einen schönen Abend mit frischen Brötchen und Supermarktkäse.

…die argentinische Seite der Iguazu-Fälle

Auch am nächsten Morgen mussten wir wieder früh raus um schnell die Überreste vom Abendessen in den Rucksack zu packen und in den nächsten Bus Richtung Nationalpark zu springen. Für diesen Tag stand die argentinische Seite der Wasserfälle an. Nachdem wir die teuren Eintrittskarten gekauft hatten fuhren wir mit dem kleinen Zug direkt zur Hauptattraktion dieser Seite: die Gargante del Diablo. Ja genau, die gleiche, die wir auch schon von Brasilien aus besichtigt hatten, doch diesmal näherten wir uns ihr von oben. Und man kommt tatsächlich sehr nah dran, um genau zu sein direkt an den Rand von wo die unglaublichen Massen an Wasser zu Boden stürzen. Das Wasser spritzt dabei so sehr, dass von dem Loch riesige „Nebelschwaden“ aufsteigen und uns berieseln. Auch hier ist es unmöglich mit Worten dieses Ereignis zu beschreiben, ob Bilder reichen, weiß ich nicht, aber einen Versuch ist es wert. Erwähnen wollen wir noch eine Information, die uns von kleinen Bildschirmen an den Zugstationen entgegenprangten: In den Wasserfällen stürzt pro Sekunde so viel Wasser über die Kante wie man bräuchte um 40 Olympia-Schwimmbecken zu füllen. Pro Sekunde!

Nach diesem Erlebnis ließen wir den Rest vom Tag langsam angehen und bewanderten die verschiedenen Pfade, die uns an unzähligen kleineren Wasserfällen und an manche Punkte der größeren führte. Gegen Mittag futterten wir unsere Mitbringsel auf um nicht wieder in den teuren Parkrestaurants essen zu müssen. Da Lara seit dem vorigen Abend an mittelschweren Bauchschmerzen litt gab es für sie nur trockenes Brot zu essen. Wir schlenderten noch schnell am Sheraton-Hotel vorbei, entschieden uns aber nach einem Blick auf die Karte schnell dagegen, dort einen Kaffee/Tee trinken zu gehen und benutzten nur schnell die Toiletten bevor wir uns wieder auf den Weg Richtung Ausgang machten. Den Rest des Tages verbrachten wir mal wieder damit die Preise der verschiedenen Busagenturen zu vergleichen und uns über deren Höhe zu ärgern.

Der größte (binationale) Staudamm der Welt

Am nächsten Morgen checkten wir aus dem netten, kleinen Hostal aus, ließen unser Gepäck wohlbehütet bei der Familie und machten uns ein weiteres Mal auf den Weg nach Brasilien. Diesmal lautete unser Ziel Foz do Iguacu, das brasilianische Tor zu den Wasserfällen. Wir wunderten uns über die Größe der Stadt, denn Puerto Iguazu war wirklich nur ein kleines Dorf, während Foz do Iguacu doch eine gewisse Größe besaß. Diese nutzte wir aus und statteten erstmal dem riesigen Supermarkt neben dem Busbahnhof einen Besuch ab. Vor unserer Südamerika-Reise dachten wir immer, dass Brasilien nicht ganz so entwickelt ist wie Argentinien oder Chile aber durch andere Reisende erfuhren wir, dass dies keinesfalls so ist und Brasilien im Gegenteil nochmal teurer ist als Argentinien. In Foz do Iguacu fanden wir den Beweis dafür. Ausserdem merkten wir auch gleich, dass wir mit unseren Spanischkenntnissen hier nicht weit kommen würden denn bereits 5km hinter der Grenze hörten wir nur noch Portugiesisch. So kam es, dass wir bei der Busfahrt zu dem größten Damm der Welt, dem Itaipu-Damm, ein paar Probleme hatten.

Trotzdem kamen wir irgendwann an und dort sprachen sie glücklicherweise wieder Englisch, denn trotz – oder gerade wegen – der weltbekannten Iguazu-Fälle direkt nebenan zieht dieser Damm unglaublich viele Touristen an. Auch wir kauften uns gleich Tickets für die nächste Tour, die Panorama-Tour. Eigentlich wollten wir die große Tour machen, die uns auch in das innere des Wasserwerks geführt hätte, aber da der ATM auf dem Gelände nicht funktionierte mussten wir uns mit der kleinen Tour begnügen. Während wir auf den Beginn warteten kam ein Professor auf uns zu, der uns doch tatsächlich auf fast akzentfreiem Deutsch erzählte, dass 2 seiner Studenten abgesprungen und er damit noch 2 Karten für die große Tour zu verschenken hätte. Wir wollten gerade freudig zugreifen, als ein anderes junges Paar den Professor ansprach und er uns mitleidig erklärte, dass er die Karten diesem Paar zuerst angeboten hätte. Dummbeutel, hätten die sich nicht früher entscheiden können?!

Nun gut, auch auf unserer kleinen Tour erfuhren wir einiges über den Itaipu-Damm. Der Fluss auf dem der Damm erbaut ist markiert die Grenze zwischen Brasilien und Paraguay und so haben die beiden Länder sich beim Bau des Dammes zusammengetan. Inzwischen bezieht Paraguay 100% und Brasilien immerhin 20% seines Stroms von diesem Damm. Ausserdem, so erklärte uns er aufschlussreiche,leicht eingefärbte Film zu Beginn der Tour, fördern sie verschiedene soziale, ökologische und politische Projekte. Projekte, die sich zum Beispiel für die Alfabetisierung der Bevölkerung einsetzen, aber auch welche, die Häuser für die indigenen Völker erbauen lässt. Dass durch den Stausee tausende dieser indigenen Familien zwangsumgesiedelt wurden wird dabei natürlich mit keinem Ton erwähnt.

Nach dem 20-minütigen Film beinhaltete unsere Tour noch eine Busfahrt durch das Gelände rund um den Damm und natürlich über den Damm. Nach etwa einer halben Stunde kamen wir wieder im Besucherzentrum an und nahmen von dort den nächsten Bus Richtung Busbahnhof und von dort nach Argentinien. Diesmal wollte der Busfahrer nicht warten, bis wir die Grenze überquert hatten und so mussten wir 2 Mal an der Grenze auf den nächsten Bus warten. Als wir ein letztes Mal nach Argentinien einreisen wollten scannte der Grenzbeamte Laras Pass ganz normal ein, warf einen Blick auf seinen Bildschirm und fing auf einmal an loszuprusten. Daraufhin winkte er alle seine Kollegen zu sich, damit sie gemeinsam über den Eintrag lachen konnten. Anscheinend hatte der charmante Beamte vor 2 Tagen irgendeinen Eintrag in Laras Pass hinterlassen -wir haben nie herausgefunden, was es war. Zurück in Puerto Iguazu holten wir unser Gepäck ab, aßen noch schnell eine Kleinigkeit zu Abend, denn diesmal war leider kein Dinner im Buspreis mitinbegriffen und machten uns auf zum Busbahnhof um die 10-stündige Reise nach Resistencia anzutreten.

Bilder der brasilianischen Seite der Fälle und Itaipu

Die argentinische Seite der Wasserfälle

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Comments

  • Hallo,
    eure Fotoaufnahmen von dem Naturschauspiel sind beeindruckend; beim Bewundern der Bilder fühlt man sich mittendrin. Einfach bezaubernd!
    Walter und ich wünschen euch noch viel Freude bei der Heimreise. Und Ausdauer beim Erzählen wenn wir euch in die Arme nehmen dürfen,
    Ciao Mama Alice und Paps

  • Uwe aus Wiesbaden

    Jul 29th, 2011

    Hallo Ihr Zwei,
    war der argentinische Grenzbeamte der Lara angehimmelt hat wenigstens attraktiv so wie wir deutschen Männer es sind ? ähm..ok..ich nicht mehr… Lara hätte dem doch nur erzählen müssen, wenn er sie heiraten will muss er ihr alle 2 Jahre so eine Reise wie jetzt ermöglichen, das erwarten die deutschen Mädels nun mal so von ihren Zukünftigen….
    bis demnächst zurück in dem wunderschönen erholsamen Deutschland

  • Wo wir waren

  • Wo wir sind

    Wir sind wieder zurück in Deutschland .
  • Kuriositäten

    So geschehen am 11.02.2011 auf der Busfahrt von Mandalay nach Bagan
    Wir sitzen gerade während einer Fahrpause mit einem französischen Pärchen bei einer Tasse Tee, als sich der gut gekleidete Burmese neben uns an Lara wendet: "Excuse me, is this man Elvis Presley?" Er zeigt dabei auf Chris und scheint es völlig ernst zu meinen. Als wir seine Frage verneinen bedankt er sich höflich und wendet sich verwirrt wieder seinem Tischnachbarn zu. Fünf Minuten später fragt er Chris verschüchtert, ob er ein Photo von ihm machen darf.
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