Irgendwo im argentinischen Nirgendwo

Mit einem ultra-billigen Nachtbus (durch Studentenrabatt nur 140 Pesos pro Person) ging es von Puerto Iguazu für uns in die tiefe argentinische Provinz. Das Ziel unserer Reise lag abseits aller Touristen-Wege des Landes – wir wollten in die heißen Quellen von „Presidencia Roque Saenz Peña“ steigen und dort etwas die Seele baumeln lassen. Um jedoch das Städtchen, dass nach einem ehemaligen Präsidenten Argentiniens benannt ist, zu erreichen mussten wir erstmal nach Restistencia fahren. Unsere Fahrt von 10 Stunden war etwas anstrengend, da durch die billigen Ticketpreise dauerend das Licht anging und ab und an auch mal ein paar grölende Argentinier mit ein paar Bierchen zu viel intus zu- und ausstiegen. Endlich in Restistencia angekommen mussten wir 3 Stunden warten bis endlich der erste Bus nach Roque losfuhr.

Doch Restistencia hat nicht sehr viel interessantes zu bieten – sieht man mal von den über 500 Statuen von argentinischen Widerstandskämpfern ab – und so verweilten wir im Bahnhofscafe bei Medialunas (argentnische Variante von Croissants) und lecker Cafe con leche (Milchkaffee). Wie der Zufall so spielt trafen wir eine Amerikanerin und ihren deutschen Reisebegleiter dort und wenn Reisende auf andere Reisende treffen gibt es immer allerhand Anekdoten und Geschichten auszutauschen, also vergingen die drei Stunden Warten wie im Fluge. Die beiden mussten auf einen Bus Richtung Norden, denn sie waren auf dem Weg nach Bolivien. Unser Bus dagegen ging jedoch westwärts und so trennten sich unsere Wege schnell wieder. Schade, denn die beiden waren echt nett :)

In den zwei weiteren Stunden im Bus nach Roque Saenz Peña kamen wir mit einer älteren Dame und einem sehr rüstigen Herrn ins Gespräch. Als sich herausstellte, dass wir aus Deutschland waren polterte der rüstige Argentinier gleich los: „Ach, also bei der Weltweiterschaft im Fußball habt ihr Deutschen Argentinien doch nur geschlagen weil ihr mehr Geld hattet den Schiedsrichter zu bestechen, oder?“. Es gab großes Gelächter im Bus als Chris daraufhin mit ernsten Gesicht „Si, si“ antwortete – er hatte nicht verstanden was der Argentinier von sich gab und wollte einfach höflich sein :D Nachdem uns dann alle noch über Deutschland, unsere Reise und alles Mögliche ausgequetscht hatten stiegen sich langsam alle nacheinander aus und wir kamen schlussendlich am Busbahnhof des Städtchens an.

…und die Moral von der Geschicht‘: Thermalbäder in Roque besucht man nicht!

Es dauerte eine ganze Weile bis wir ein Hotel in der Provinzstadt gefunden hatten. Kurioserweise waren die paar Hotels die es dort gab echt teuer, aber uns blieb ja nichts anderes übrig als irgendwo ein Zimmer zu nehmen. So wirklich viel zu erzählen gibt es von Roque Saenz Peña ja leider nicht. Das Städtchen mit immerhin 77.000 Einwohnern ist eine wichtige Stadt der Provinz Chaco – dem Baumwoll- und Sonnenblumenzentrum Argentiniens. Hier kommt man her um einen Bus zu einem der großen Städte Argentiniens zu erwischen oder um neues Farmgerät für seine Farm zu erstehen. Natürlich gibt es hier auch einige Estancias, die für Frischfleisch auf den Grillen Argentiniens verantwortlich sind. Also alles in allem ist Roque trotz seiner Größe ein Provinzkaff wie es im Buche steht.

Aber gut – wir waren ja hergekommen um die schönen Thermalbäder zu besuchen. Es dauerte etwas bis wir sie lokalisiert hatten, aber nach etwas Herumgefragte gelang uns auch das. Wir waren gleich die Ersten an der Theke des Bades und zahlten sagenhafte 10 argentinische Pesos pro Person. Als die nette Mitarbeiterin von uns wissen wollte woher wir denn kommen schaltete sich ein sehr alter Mann ein. Er wollte von uns auf Deutsch (!!) mit einem seltsamen argentinischen Akzent wissen woher genau wir denn kommen würden. Nach und nach erzählte er uns, dass seine Familie aus Österreich stamme und seine Mutter vor seiner Geburt nach Argentinien ausgewandert war. Sie hätten in der Familie immer Deutsch gesprochen und außerhalb eben immer Spanisch – noch heute würde er mit seiner Frau Deutsch sprechen um die Sprache seiner Heimat nicht zu verlernen. Sein neben ihm stehender Sohn verstand wohl kein Wort und er sagte uns mit gedämpfter Stimme, dass die jungen Leute heute nur noch Spanisch sprächen – sie seien eben alle „vernegert“. Ob da nun ein Stückchen Fremdenfeindlichkeit da durchschimmerte oder ihm nach all der Zeit ohne deutsche Muttersprachler einfach die Worte fehlten können wir nicht beurteilen…

Nach dieser wirklich interessanten Begegnung ging es auch kurios weiter, denn von einer Angestellten des Thermalbades wurden wir in zwei Kabinen mit je einer Badewanne und einem Handtuch geführt. Die Bäder stellten sich als 20 minütiges Einzelbad in einer Badewanne gefolgt von 10 Minuten auf einer Liege heraus. Super – wir hatten uns unter einem Thermalbad eigentlich etwas anderes vorgestellt, aber es scheint so, dass wir Deutsche ja ziemlich verwöhnt in diesem Bereich sind :D . Wir ließen also das langweilige Bad über uns ergehen und konnten uns das Lachen kaum verkneifen: kein Wunder waren nur uralte Leute am Eingang des Bades um uns herum gewesen. Beim Hinausgehen sahen wir den alten Argentinier mit deutscher Abstammung nochmal und er wünschte uns alles Gute und verabschiedete sich mit „Lebt wohl Landsmänner oder ‚Adios paisaños‘ wie man hier sagt“ als er von seinem Sohn im nagelneuen Volkswagen wegfuhr.

Neben lecker Rotwein trinken und dem Verspeisen saftiger Steaks unternahmen wir nicht viel in Roque Saenz Peña. Wir besuchten nur noch den lokalen Zoo, der aber etwas trostlos war – aber immerhin ist er anscheinend federführend in der Zucht von bedrohten lokalen Tierarten. So wirklich vom Hocker gehauen hat er uns nicht – immerhin haben wir nette Tierarten gesehen, wenn sie auch in absolut tierunwürdigen Gehegen untergebracht waren :(

Nach unserem Kurzabstecher in den Zoo war es dann auch schon wieder Zeit Richtung Resistencia zu fahren, denn am Abend ging uns nächster Nachtbus aus der Provinz nach Cordoba – dort wartete schließlich unser Copa America Gruppenspiel auf uns :)

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    Wir sind wieder zurück in Deutschland .
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    So geschehen am 11.02.2011 auf der Busfahrt von Mandalay nach Bagan
    Wir sitzen gerade während einer Fahrpause mit einem französischen Pärchen bei einer Tasse Tee, als sich der gut gekleidete Burmese neben uns an Lara wendet: "Excuse me, is this man Elvis Presley?" Er zeigt dabei auf Chris und scheint es völlig ernst zu meinen. Als wir seine Frage verneinen bedankt er sich höflich und wendet sich verwirrt wieder seinem Tischnachbarn zu. Fünf Minuten später fragt er Chris verschüchtert, ob er ein Photo von ihm machen darf.
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