„…und wir folgten der Kuh nach Buenos Aires“

Um ein Haar hätten wir 100 Dollar Gutscheine von LAN abgestaubt, denn als wir am Flughafen ankamen wollte ein LAN Mitarbeiter von uns wissen ob wir zufällig den Flug eine Stunde später nehmen könnten und versprach uns im Falle einer Umbuchung einen Gutschein im Wert von 100 Dollar pro Person. Leider wurde es dann doch nix mit der Umbuchung, denn anscheinend klappte dann doch alles wie geplant und wir konnten in das von uns gebuchte Flugzeug einsteigen – Mist!:(

Unser Flug von Santiago nach Buenos Aires, einmal quer über den Kontinent, dauerte nur knapp 2 Stunden und ging auch ohne Entertainment-System schnell rum. Wir mussten jedoch einen kleinen Umweg fliegen, denn die Vulkanasche aus Feuerland schwebte irgendwo auf der normalen Flugroute zwischen Santiago de Chile und Buenos Aires herum. Nachdem wir am Flughafen einen ATM gesichtet und unsere ersten argentinischen Pesos in den Händen hielten begaben wir uns zu einem der Stände des Transportunternehmens „Manuel Tienda Leon“. Mit einem großen Bus fuhren wir vom Flughafen in die Innenstadt, direkt zur Hauptstelle des Unternehmens. Dort wurden wir in normale Taxis verladen und direkt vor unser Hostal gefahren, das wir ein paar Tage zuvor via Internet gebucht hatten. Wir wurden sehr freundlich empfangen und fielen so gegen 23 Uhr in unsere Betten.

An unserem ersten Tag im neuen Land fuhren wir erstmal mit der U-Bahn ins Stadtzentrum und schlenderten durch die Einkaufsstraßen und aßen unser erstes Choripan, die argentinische Version von Bratwurst im Brötchen. Ausserdem erledigten wir Notwendigkeiten wie SIM-Karte kaufen und unsere übrigen chilenischen Pesos in argentinische umzutauschen. Wir besuchten natürlich auch den bekannten Plaza de Mayo (den man in Argentinien „Plasa de Mascho“ ausspricht) mit dem Präsidentenpalast, dem „Casa Rosada“, das seinen Namen aufgrund seines rosafarbenen Anstrichs trägt.

Für den Abend stand ein weiteres Highlight auf unserer Liste: Parrilla! Parrillas oder Asados sind die weltberühmten argentinischen Grillrestaurants und dank unserer freundlichen Hostelangestellten dinnierten wir in einem der besten Buenos Aires. Man muss dazu sagen, dass man in Argentinien erst um 22 Uhr zu Abend ist um genügend Hunger zu haben um richtig reinzuhauen. Unser Magen meldete sich allerdings schon gegen 20.30 Uhr und so machten wir uns langsam auf den Weg, der immerhin 30 Minuten beanspruchte. Im Restaurant „Siga la Vaca“ (zu deutsch: „Folge der Kuh!“) angekommen staunten wir nicht schlecht. Für 95 Pesos, etwa 17€ pro Person, erhielten wir Eintritt zu einem All-You-Can-Eat Grillrestaurant mit riesiger Salat- und Beilagenbar. Ausserdem gab es für jeden 1 Liter Getränk inklusive – Chris wählte ungläubig den Wein und bekam tatsächlich eine ganze Flasche gebracht. Voller Vorfreue stürzten wir zum Grill und waren etwas verloren. In Argentinien ist ein Steak nämlich kein Steak. Für jedes Stück der Kuh gibt es einen speziellen Namen und für jede Zubereitungsart auch. Zum Glück eilte uns da Roberto, einer der Grillmeister, zu Hilfe, der wusste, dass alle Ausländer nur eines wollen: Cuadril! Ein saftiges, leicht blutiges Filletsteak. Richtig, Roberto, her damit! Natürlich probierten wir auch einige andere „Schnitte“ von der Kuh, machten aber einen großen Bogen um Blutwürste und gegrillten Darm.

Nachdem wir 2 Stunden so vor uns hingeschlemmt hatten lagen wir nur noch auf unseren Stühlen und verlangten nach der Rechnung. Stattdessen brachte die Kellnerin uns die Dessertkarte, eine Nachspeise pro Person war nämlich auch inklusive. Schnaufend wankten und rollten wir zurück ins Hostal und hielten uns noch 2h nach dieser Orgie die Bäuche bevor wir langsam einschliefen und von ganzen Kühen über Grillfeuern träumten.

Sightseeing in Argentiniens Hauptstadt

Dass wir am nächsten Morgen tatsächlich etwas vom Hostalfrühstück hinunterkriegten wunderte uns selbst. Danach fuhren wir an diesem Samstagmorgen mit der U-Bahn nach Retiro, dem großen Transporteck von Buenos Aires wo sowohl der Bahnhof als auch der Busbahnhof liegen. Von dort liefen wir eine halbe Stunde bis wir zu dem berühmten Friedhof von Buenos Aires gelangte: La Recoleta. Neben tausenden Politikern, Autoren, Freiheitskämpfern und sonstigen Berühmtheiten liegt hier vor allem eine Person begraben: Eva „Evita“ Peron. Maria Eva Duarte de Peron regierte neben ihrem Ehemann Juan Peron das Land mit eiserner Hand, setzte sich aber auch stark für Frauenrechte und die Rechte der Armen ein. Bis heute wird Evita von den Argentiniern als Volksheldin verehrt und geliebt. Dabei vergessen viele, dass sie trotz allem die faschistische Regierung ihres Gatten nicht nur unterstützt sondern auch in Europa verniedlicht hat. Die beiden halfen übrigens nach dem 2. Weltkrieg unter anderem deutschen Nazis zur Flucht nach Südamerika. Aber diese dunklen Geschichten über die Perons (noch heute regiert die Partei des Generals Argentinien) hört leider kaum ein Argentinier gerne…

Wir waren, wie jeder andere, sehr beeindruckt von dem Friedhof der mehr wie eine kleine Stadt voller monumentaler Mausoleen wirkt. Wir schlenderten bestimmt 1 Stunde zwischen den riesigen Gräbern herum und machten unzählige Fotos. Nachdem wir genug von weinenden Engeln, pompösen Torbögen und kathedralengleichen Krypten hatten führte es uns wieder in Richtung „Siga la vaca“ – diesmal aber nicht zum Essen.

Wir schworen uns diesmal nicht wieder einen Rotwein-Fleisch-Abend einzulegen und besuchten stattdessen einige Sehenswürdigkeiten beim alten Hafen Buenos Aires, dem Puerto Madero. Die Armada Argentina, also die argentinische Marine hat dort zwei Schiffe „abgestellt“ und zu Museen umfunktioniert. Das Kleinere der beiden, die ARA Uruguay gefiel und dabei wesentlich besser als die große ARA Presidente Sarmiento, die einfach ziemlich überfüllt mit argentinischen Familien war. Irgendwie war die Presidente Sarmiento bei der Rettung eines in der Antarktis festsitzenden Skandinaviers beteiligt und sie ist wohl auch der offizielle Sitz der Admiralität oder so – auf jeden Fall ist sie super bekannt und deswegen strömen alle Argentinier dorthin und lassen die ARA Uruguay gleich nebendran links liegen :)

Der Copa America und die Sache mit den Eintrittskarten

Am nächsten Tag haben wir dann vom einem Neuseeländer im Hostel erfahren, dass der Copa America dies Jahr in Argentinien stattfindet und genau heute startete. Das ist die Fußballmeisterschaft in Südamerika und da mischt nicht nur der Rekordweltmeister Brasilien, sondern auch Argentinien und Uruguay mit. Also eine Chance die wir uns nicht entgehen lassen wollten. Tickets konnte jeder ziemlich einfach über eine argentinische Webseite buchen – wie jedoch gedacht waren alle Spiele der argentinischen Elf ausverkauft. Also haben wir uns Tickets für das Gruppenspiel Brasilien gegen Ecuador in Cordoba sowie Tickets für das kleine Finale, das Spiel um Platz 3 und 4 des Copa America, in La Plata (3h von Buenos Aires entfernt) gekauft. Mit 60 Pesos fürs Gruppenspiel und 80 pro Person für das kleine Finale wars auch echt billig.

Nur ein kleines Problem gab es: die Karten mussten bei einem kleinen Fußballclub in Buenos Aires (oder Capital Federal, wie die Argentinier hier alle sagen) abgeholt werden. Der befand sich aber in einer Vorstadt und war schon gar nicht mehr auf unseren Stadtkarten zu finden – die hörte genau eine Straße vor dem Clubhaus auf. Irgendwie und nach einigen Recherche-Arbeit im Internet fanden wir dann heraus wo der Club war und wie wir dorthin kommen konnten: mit dem Zug.

Also nix wie ab nach Retiro (neben dem Busbahnhof heißt so nämlich auch der größte Bahnhof Buenos Aires so) und dort haben uns dann einige freundliche Bahnmitarbeiter geholfen den richtigen Zug zu finden. Kaum an der Haltestelle ausgestiegen mussten wir wieder auf die Karte sehen um herauszufinden in welche Richtung wir denn jetzt gehen mussten. Ein paar ältere Argentinier sahen das und verwickelten uns in ein Gespräch, dass mit einer detaillierten Wegbeschreibung vom Bahnhof zum Clubhaus endete. Dank dieser älteren Herren kamen wir dann tatsächlich recht flott dort an und konnten mit dem Vorzeigen unserer Kreditkarte endlich die Fußball-Tickets in Empfang nehmen. Neben dem Club war auch ein Starbucks . Dort fanden wir etwas Ruhe nach dem ganzen Stress bei einer Tasse Kaffee und starrten glückselig auf die Eintrittskarten in unseren Händen.

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Comments

  • in münchen gibt es auch einen rosa gestrichen bau. dort befindet sich eine mensa, die psychologie fakultät, das studentenwerk und die studentenbibliothek. allgemein wird er “schweinchenbau” genannt.

  • Wo wir waren

  • Wo wir sind

    Wir sind wieder zurück in Deutschland .
  • Kuriositäten

    So geschehen am 11.02.2011 auf der Busfahrt von Mandalay nach Bagan
    Wir sitzen gerade während einer Fahrpause mit einem französischen Pärchen bei einer Tasse Tee, als sich der gut gekleidete Burmese neben uns an Lara wendet: "Excuse me, is this man Elvis Presley?" Er zeigt dabei auf Chris und scheint es völlig ernst zu meinen. Als wir seine Frage verneinen bedankt er sich höflich und wendet sich verwirrt wieder seinem Tischnachbarn zu. Fünf Minuten später fragt er Chris verschüchtert, ob er ein Photo von ihm machen darf.
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