Eine Jeep-Fahrt die ist lustig…

Nachdem wir fast eine Woche lang in Siliguri unsere Magen-Darm-Grippen, Fieberattacken und Erkältungen (einigermaßen) auskuriert haben, haben wir uns dazu entschieden wenigstens für 2 1/2 Tage dem auf 2100 m gelegenen Darjeeling einen Besuch abzustatten.Darjeeling, genau. Tee. Ist auch die absolute Hauptattraktion hier…aber dazu später. Erstmal hat unser Weg nach oben einen kurzen Abschnitt verdient.

Von Siliguti nach Darjeeling kann man entweder mit dem Bus fahren, was wohl mehrere Ewigkeiten dauert, oder mit einem „Shared Jeep“, was einfach nur bedeutet, dass der Fahrer vom Jeep versucht, sein Auto auf dem Weg nach oben möglichst voll zu kriegen, denn jeder Passagier zahlt 100 Rupien. Voll bedeutet 12 Leute inklusive Fahrer – 4 auf den Vordersitzen, 4 auf der Rückbank und 4 im Kofferraum. Gepäck kommt aufs Dach (ab und zu fahren auch ein paar Wagemutige auf dem Dach mit).

Nachdem wir in Siliguri ca. 10 min gewartet haben, nahm auch uns ein freundlicher, junger Nepalese mit. Wir besetzten die letzten Plätze im Jeep – also gings schnurstracks los Richtung Himalaya.

Trotz der überraschenderweise recht angenehmen Fahrweise schafften wir es nicht allzu weit: nach 1/2 Stunde und zahlreichen Schlaglöchern machte es bumms krach ächz, wir hielten an, guckten alle gespannt unters Auto und merkten überrascht: Oha, Antriebswelle mittendurchgebrochen.

Aber kein Stress. Wir wurden einfach auf andere Jeeps auf dem Weg nach oben verladen. Nachdem 2 Leute schieben halfen schaffte der neue Jeep es sogar um ein paar Kurve. Leider unterschied sich die Fahrweise des nun indischen Fahrers um einiges von dem vorherigen und wir stießen bei jedem Schlagloch mit dem Kopf gegen die Decke. Als wir dann auch noch feststellten, dass die Kofferraumtür an der wir saßen nicht mehr richtig schließt und unser Jeep zum x-ten Mal beim Anfahren um die Kurve mehr nach hinten als nach vorne rollte, entschieden wir uns dazu, lieber auszusteigen und auf den nächsten Jeep zu warten.

Der ließ natürlich nicht lang auf sich warten, konnte uns aber nur bis zur Nachbarstadt von Darjeeling mitnehmen und ließ uns dann für seine Freundlichkeit natürlich auch fast das doppelte zahlen.

Immerhin besorgte er uns den Anschlussjeep für die letzten 28 km – sprich für die nächsten 1 1/2 Stunden. Dank Schlaglöcher und schlechter Luft fand Lara dann auch noch zur Reisekrankheit ihrer Kindheit zurück und wir waren mehr als erleichtert als wir nach insgesamt 4 Jeeps und 3 1/2 Stunden Darjeeling erreichten.

Als wir entdeckten, dass Darjeeling in seiner für Indien wirklich schönen und friedlichen Innenstadt sogar ein Kino beherbergt war das Programm für einen Tag klar: Harry Potter and the Deathly Hollows – Teil 1.

Überraschenderweise trafen wir dort auch unsere Bekanntschaften aus Agra wieder und so hatten wir einen lustigen Kino-Nachmittag, an dem wir uns über die Unschärfe des Films (wir haben anfangs ernsthaft überlegt, ob sie vergessen haben uns die 3D-Brillen zu geben) und die unglaublich unverschämten Inder, die im Kino ihr Handy auf vollster Lautstärke haben und auch noch drangehen und ungehemmt telefonieren ohne sich auch nur einen Zentimeter Richtung Ausgang zu bewegen, aufzuregen.

Das absolute Must-See von Darjeeling – Tiger Hill – konnten wir natürlich auch nicht auslassen und  sind dafür um 03.30 morgens aus unseren kuscheligen Schlafsäcken gekrochen. Mit Skiunterwäsche und 2 Pullis ging es dann auf die Suche nach dem nächsten Shared Jeep, der uns innerhalb einer halben Stunde zu dem beliebten Ausblickspunkt brachte. Außer uns sind noch geschätzte 500 Inder auf die selbe Idee gekommen und dementsprechend voll war es auf der Aussichtsplattform. Von dem hochangepriesenen Sonnenaufgangsszenario konnte man leider nicht viel sehen, da die Wolken nur langsam nach unten gesunken sind. Doch nach ein paar Minuten warten und wildem spekulieren, in welcher Richtung sich denn jetzt das Himalaya und vor allem der Khangchendzonga ( mit 8598 m der 3. höchste Berg der Welt) zeigen würden erblickten wir nordnordwest die ersten Umrisse, die sich in den nächsten 15 min immer mehr verdeutlichten.

Interessanterweise schienen wir und die 2 Franzosen neben uns die einzigen zu sein, die das Gebirge sehen konnten, denn alle Inder um uns herum blickten weiter gespannt gen Osten, ohne den Gebirgszug eines Blickes zu würdigen. Irgendwann, während wir den Lichtwandel von Rot zu Gelb auf dem Schnee des 8000ers bewunderten hörten wir die Inder jubeln und klatschen – die Sonne hatte es durch die Wolken geschafft. Naja, ob sie wissen, dass sie den Sonnenaufgang auch von Darjeeling oder sonstwo sehen können?! Uns soll es egal sein, wir hatten den beeindruckenden Berg gesehen und die Inder schienen glücklich mit ihrem Touri-Grinse-Foto vor dem „Tiger Hill”-Schriftzug.

Außerdem steht natürlich der Zoo mit dem Bergsteiger-Museum und dem Grab Tenzing Norgays auf dem Programm. Und was machen wir jetzt gleich? Na klar, Tee kosten, ganz viel kaufen und heimschicken :)

Das Himalaya hat es uns wirklich angetan und wir wollen unbedingt unsere geplante Wandertour in Sikkim nachholen. Sicher hat uns Darjeeling nicht das letzte Mal gesehen – die Bergwelt wird uns nicht so schnell wieder loslassen und irgendwann wollen auch wir einen Gletscher dieses Weltwunders betreten und das Dach der Welt mehr als nur von der Ferne betrachten.

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Comments

  • Hallo Ihr Weltenbummler,
    beindruckende Bilder und anschaulicher Bericht.
    Gott seis gedankt. Esgeht Euch wieder gut bzw, besser und könnt die Reise wieder genießen. Freu mich schon auf das Geschenk. Was es wohl ist ? Wenn kein Seidenschal.
    Bei uns schneits wieder und ist eisig kalt…der Kachelofen
    brennt und die erste Kerze flackert, Tannenreisig kommt noch duftend in die Wohnung….
    Weiterhin gute Reise und tolle Erlebnisse.
    Gott sei mit Euch !
    Mama

  • jule&patric

    Nov 29th, 2010

    moinsen! ja, doch wieder verpast wah :-) !? wir hattens nich frueher ins pub geschafft… tigerhill… ich erklaer absofort jedem inder, das die sonne wirklich wirklich auch immer am naechsten tag wieder aufgeht :-) ! dann euch noch viel spass und vorallem gesundheit ;-) auf eurem trip! liebe gruesse aus kathmandu (17std. horror busfahrt…) added mich mal auf FB (patric.schneider@gmail.com)

  • Wo wir waren

  • Wo wir sind

    Wir sind wieder zurück in Deutschland .
  • Kuriositäten

    So geschehen am 11.02.2011 auf der Busfahrt von Mandalay nach Bagan
    Wir sitzen gerade während einer Fahrpause mit einem französischen Pärchen bei einer Tasse Tee, als sich der gut gekleidete Burmese neben uns an Lara wendet: "Excuse me, is this man Elvis Presley?" Er zeigt dabei auf Chris und scheint es völlig ernst zu meinen. Als wir seine Frage verneinen bedankt er sich höflich und wendet sich verwirrt wieder seinem Tischnachbarn zu. Fünf Minuten später fragt er Chris verschüchtert, ob er ein Photo von ihm machen darf.
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